Orakeln in den Rauhnächten

Wirf einen Blick auf das kommende Jahr

Wintersonnenwende und Rauhnächte

Die Wintersonnenwende und die Rauhnächte als
"Geisterstunde" des Jahres

Die Wintersonnenwende läutet eine magische Zeit ein: Wir befinden uns jetzt «zwischen den Jahren». Das ist sozusagen die Geisterstunde des Jahres. Laut Überlieferung zieht in dieser dunklen Zeit die «Wilde Jagd» über Land, Seelen Verstorbener wandeln umher und die Menschen suchen Schutz in magischen Ritualen. 

Weil jetzt die Schleier zwischen den Welten besonders durchlässig sind, kannst du in Orakeln Antworten auf deine Fragen nach der Zukunft finden.


Wendezeit - Ein Moment des Innehaltens

Am 21. Dezember ist Wintersonnenwende - die längste Nacht des Jahres. Auf Englisch heisst die Sonnenwende «Solstice». Das leitet sich vom lateinischen «Sol» (Sonne) und «sistere» (Stillstehen) ab. 

Es ist also ein Moment des Innehaltens, bevor die Wende eintritt. Wenn wir die Rauhnächte mit einbeziehen, ist dieser «Moment» 12 Tage lang. Diese magischen Nächte wurden ja zwischen den Jahren eingeschoben, um Mondkalender und Sonnenkalender wieder zu synchronisieren. Mehr dazu findest du in meinem Artikel über die Rauhnächte, hier im Blog.

Im Dunkeln vermuten die Menschen seit jeher das Unkontrollierte, Beängstigende, Wilde. Im Wilden, im Schatten, im Verdrängten liegt jedoch auch das grosse Potenzial ungenutzter Kraft.

Die Kraft der Dunkelheit:

  • Neues Leben entsteht aus der Dunkelheit (Schwangerschaft, Pflanzen keimen im Dunkeln)
  • Die Wandlung geschieht im Dunklen und bleibt ein Mysterium.

Deshalb ist diese Zeit im Jahr so besonders:  Du kannst sie ganz bewusst nutzen, um die Schätze in deinem Inneren aufzuspüren und reifen zu lassen. So beginnt in Dunkelheit und Rückzug etwas Neues.


Die Rauhnächte – Geisterstunde des Jahres

Wenn wir die Wintersonnenwende als «Mitternacht des Jahreskreises» betrachten, dann ist die darauffolgende «Geisterstunde» geprägt von der mystischen Zeit der Rauhnächte. Es gibt unzählige Geschichten und Mythen über diese heiligen Nächte. Die meisten berichten von unheimlichen Begegnungen und geben Hinweise, wie man sich schützt.


Die weibliche Seite der Rauhnächte

Die Sonne kann auch in Verbindung mit den verschiedenen Erscheinungsformen der Göttin gesehen werden. Diese verändert sich im Jahreslauf. So erscheint sie im Frühling als junge Frau, im Sommer als Muttergöttin und im Winter als mächtige Alte. Diese kann auch streng und strafend sein.

Die zwei Gesichter der Frau Holle

Frau Holle (oder auch Frau Hulda) ist eine Verkörperung der Göttin. Im Märchen belohnt nun Frau Holle, indem sie die fleissige Marie mit Gold beschenkt. Gold steht auch für die Sonnenkraft.

Die Percht und die «Wilde Jagd» in den Rauhnächten

Als «Percht» zeigt die Göttin Holle ihr dunkles Gesicht. In der Wilden Jagd fegt sie während der Rauhnächte über das Land hinweg und prüft, ob die Menschen Ordnung halten und die jetzt gebotene Ruhe achten. Und sie belohnt und straft.

Ausserdem begleitet die Holle/Percht die Seelen der im letzten Jahr Gestorbenen auf ihrer Reise in die andere Welt. So ist sie ein Teil des Kreislaufes des Lebens. Sie wird geachtet und gleichzeitig gefürchtet.

Bei den Perchtenumzügen im Alpenraum, gibt es entsprechend die „Schönperchten“ und die „Schiechperchten“.

„Es gibt viele Berichte von Menschen, die die Wilde Jagd beschreiben. Meist rast sie im Sturm mit den tiefen Wolkenzügen dahin. Dann hört man nur ihr Tosen. Doch mitunter wird sie auch in einzelnen Details geschaut: wiehernde Rosse, bellende Hunde, knallende Peitschen, in Hörner blasende Reiter … Vor allem in der Dämmerung sehen Menschen während der Rauhnächte aber auch grausige Wesen durch ihre Häuser ziehen, leidend, jammernd und bettelnd. Man wir sie, so heisst es dann, am besten wieder los, wenn man keine Angst zeigt, sie zum Gehen auffordert und ihnen ein paar Kupfermünzen mitgibt.“*


Inspirationen für deine persönliche Gestaltung der Rauhnächte

Die magischen Nächte eignen sich besonders gut, um dir einmal Zeit für dich selbst zu nehmen. Neben Orakeln können es auch kleine Rituale, Meditationen oder Auszeiten sein, die du dir gönnst.

Die Symbolik der beiden Gesichter der Göttin aufgreifend, kannst du folgende Fragen für dich beantworten:

  • Was ist dein "schönes" Gesicht? (Wo bist du sanft, nährend? Was förderst du?)
  • Was ist dein "schreckliches" Gesicht? (Wo kannst du auch einmal wütend und kraftvoll auftreten? Wo willst du Grenzen setzen?)
  • Wie gehören die beiden Seiten zusammen?
  • Was möchtest du für die Zeit der Rauhnächte einmal bewusst beachten?

Mache dir Notizen zu deinen Erkenntnissen.

Wenn du etwas loslassen möchtest, dann kannst du es z.B. aufschreiben und dem Feuer übergeben. Oder, wenn du drinnen bist, dann öffne das Fenster und lass es ganz bewusst mit dem Wind mitgehen …

13 Wünsche für das kommende Jahr

Schreibe 13 Wünsche auf 13 Zettel. Zwölf davon verbrennst du an einer der zwölf Rauhnächte und "schickst ihn ab". Der, welcher zum Schluss übrig bleibt, verdient besondere Beachtung. Um diesen musst du dich selber kümmern, damit er sich erfüllt.

Orakeln mit Träumen

Jede Nacht entspricht einem Monat des kommenden Jahres. Was du also in der ersten der Rauhnächte träumst, sagt dir etwas darüber, was der kommende Januar für dich bereit hält.

Schreibe also deine Träume auf und sei gespannt, was sich verwirklicht.

Beachte: je nach Tradition kannst du am 21. Dezember oder am 24. Dezember mit dem Zählen der Rauhnächte beginnen. Ich persönlich bevorzuge den Start am 24. Dezember. Dann gehen die heiligen Nächte bis zum 6. Januar, was ein sehr besonderer Tag ist. An diesem kannst du z.B. Dinge, die du orakelt hast nochmals wandeln. Aber das ist eine andere Geschichte ….

Weitere Inspirationen und Anregungen

  • Vor Beginn der Rauhnächte: Ordnung schaffen und Geliehenes zurück bringen
  • Innehalten und still werden
  • Aus der Routine herauskommen und diese hinterfragen
  • Sich selbst etwas Gutes tun
  • Und – natürlich – Orakeln

Überlieferungen zu den Rauhnächten

  • Alle Räder stehen still – nur das Schicksalsrad dreht sich
  • Haus ausräuchern (vielleicht auch das Auto?)

Räuchern:

  • Beifuss: Reinigung, Ermutigung
  • Weisser Salbei: Reinigung und Schutz
  • Wacholder: Schutz gegen böse Geister
  • Kiefernharz: positive Energie und Schutz
  • Koriander: Reinigung und Entspannung, harmonisierend
  • Weihrauch und Myrrhe: als Symbole für das Licht
  • Zeder: Öffnung in höhere Sphären

Buchtipps:

*Vera Griebert-Schröder/Franziska Muri „Vom Zauber der Rauhnächte“

Sigrid Früh «Rauhnächte - Märchen und Brauchtum


Zusatzinformationen:

Artikel über die Rauhnächte

Wikipedia Perchten

Wikipedia Wilde Jagd



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