Meine erste Nacht alleine draussen - VisioTerra
7 Mai 2018

Meine erste Nacht alleine draussen

Sternenhimmel

Zwischen Wildschwein und Weidezaun

Meine erste Nacht alleine draussen

Während meiner Ausbildung spielten Naturerfahrung und -erlebnis eine grosse Rolle. Wir waren bei Wind und Wetter unterwegs, machten Rituale, Medizinwanderungen, erkundeten Pflanzenwesen etc. Mir hat das sehr gefallen und ich wurde immer vertrauter mit der Natur.

Und dann hiess es eines schönen Tages: 
„So, Ihr werdet nun einmal eine Nacht alleine in der Natur verbringen. Such dir einen Platz dafür.“

Das war im Schwarzwald, in einer wunderbaren, waldreichen Gegend. Ich hatte dort schon meinen Lieblingsplatz. Allerdings war das eine kleine gerade Fläche an einem Abhang mitten im Wald. Ich besah mir die Sache und entschied: zu gefährlich. Erstens Ameisenalarm und zweitens: Was ist, wenn ich nachts herunterrolle? (Wäre bei genauer Betrachtung kaum möglich gewesen, *smile. Aber was man halt so denkt …)

Am Morgen hatte unsere Gastgeberin noch erzählt, dass endlich wieder Wildschweine in der Gegend leben. Na danke.

Also durchforstete ich das Umfeld unseres Quartiers nach anderen geeigneten Plätzen. Die Wildschweine gingen mir dabei nicht aus dem Kopf. Da wäre ja noch der wunderschöne Platz am Rande der Schwitzhüttenwiese ... 
Aber eben – die Schweine …

Zu guter Letzt fand ich mich unterhalb des Hauses in einem kleinen Wäldchen wieder. Dieses lag in der Mitte einer Weide. Darum herum war ein Weidezaun. Ich hatte mir gedacht: Kommt nichts raus, kommt auch nichts rein. So verbrachte ich meine erste Nacht draussen also quasi eingezäunt.

Dennoch machte ich ganz eindrückliche Erfahrungen. So hörte ich z.B. fast die ganze Nacht Tiergeräusche. Aber es gab eine Zeit nach Mitternacht, da war es ganz still. Als dann die Stimmen wieder erwachten, nahm ich das sehr bewusst wahr. Die Sterne waren über mir und ich fand alles wunderbar. 
Das Licht des nahen Hauses empfand ich als seltsam. Einerseits war es beruhigend, andererseits auch störend.

Am nächsten Morgen kamen wir alle von unseren verschiedenen Plätzen wieder zusammen und erzählten die Geschichten dieser Nacht. Wir waren stolz, das Abenteuer bestanden zu haben. Seither habe ich manche Nacht draussen verbracht. Ich wurde vertrauter mit den Stimmen der Natur und fühlte mich zunehmend geborgen.

Eine Nacht-Auszeit heisst: Zeit für und mit sich selbst zu haben, nicht abgelenkt sein durch Beschäftigung. Zeit, inneren und äusseren Stimmen zu lauschen, den Mond zu beobachten, zu träumen, …

So kommen Bilder und Gedanken, die dich mehr zu dir selbst bringen, dir Klarheit geben und Fragen beantworten können. Schon alleine das Gefühl, ein Teil dieser wunderbaren, vollkommenen Natur zu sein, ist bestärkend und erfüllend. Diese Gefühle kannst du mit in deinen Alltag nehmen.

Wenn ich heute an meine erste „Solo-Nacht“ denke, muss ich schon etwas schmunzeln. Sicher würde ich keinen solchen Platz mehr wählen. Aber für den Anfang gab er mir Sicherheit.

Ach und die Wildschweine: Niemand hat etwas von ihnen gehört oder gesehen. Sie haben uns wohl grosszügig umwandert, falls sie überhaupt im gleichen Gebiet waren.

Also: Lass dich nicht abschrecken von wilden Tieren oder sonstigem befürchteten Ungemach. In den letzten 16 Jahren war ich immer mal wieder an dem Ort. Nie habe ich auch nur eine Spur von Wildschweinen gesehen. Wie schade, wenn ich mich hätte abhalten lassen, eine wunderbare neue Erfahrung zu machen.

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